Dienstag, 15. September 2015

Illegale Softwarenutzung: BSA Prämien sind fragwürdig

Die Anti Piraterie Lobby BSA (Business Software Alliance) geht im Kampf
gegen Lizenzschwindel in die Offensive und lockt seit Oktober 2014 ehrliche
Menschen mit einer Belohnung. Anwender und Eingeweihte, die im Beruf auf die
umfangreiche Nutzung von Software ohne Lizenz stoßen und diese melden,
werden mit attraktiven Geldbeträgen von bis zu 10.000 Euro für ihre
Ehrlichkeit belohnt. Für susensoftware spricht dieses Vorgehen jedoch kaum
für Seriosität, weswegen der Anbieter für gebrauchte Software sich von
dieser Praktik distanziert.

Verrat mit positivem Nebeneffekt schürt Konflikte

Dass die BSA sich mit ihrer Prämien-Aktion bei Unternehmern wenig beliebt
macht, liegt auf der Hand. Immerhin muss sich nun jedes Unternehmen mit
„unterbezahlten" Mitarbeitern vor einem plötzlichen und unerwarteten Verrat
fürchten. Auch wenn der Grundgedanke, also die nachhaltig legale
Lizenzierung von Software in Unternehmen, durchaus sinnvoll und lobenswert
ist, ist die Methode zum Erreichen dieses Ziels weniger anwenderfreundlich.
Die allgemeine Stimmung am Markt wird nicht etwa verbessert, sondern
vielmehr mit negativen Gefühlen wie Zwang, Angst oder auch Misstrauen
angereichert. Susensoftware hält dieses Vorgehen vor allem aus diesen
Gründen für falsch und setzt weiterhin auf das eigenständige und freiwillige
Handeln der Unternehmer. Mit gebrauchten Lizenzen und gebrauchter Software
als finanziell attraktiven Lösungswegen dürfte es Unternehmern dauerhaft
leichter fallen, ihre mögliche Unterlizenzierung zu beheben und den Weg in
Richtung Legalität einzuschlagen. Auch für die potenziellen „Whistleblower"
ist die Prämierung ihrer Offenheit ein zweischneidiges Schwert. Nicht jedem
Arbeitnehmer wird es leicht fallen, seinen Arbeitgeber aus freien Stücken zu
verraten, selbst wenn dafür attraktive Summen geboten werden. Tut er es
doch, so erfährt seine Loyalität einen schweren Schlag. Allgemein also
stürzt die BSA mit diesem Vorgehen sowohl Unternehmer als auch ihre
Angestellten in einen Gewissenskonflikt, der keinesfalls zu einer positiven
Entwicklung des wirtschaftlichen Geschehens beiträgt.

„Ich vermute auch, dass die BSA das Prämiensystem schnell wieder einstellt,"
sagt Axel Susen, Geschäftsführer von susensoftware, auch wenn besagtes
System inzwischen wohl seit fast einem Jahr Anwendung findet. "Wir würden
nie eine solche Prämie ausrufen, nur um den Umsatz zu steigen."

[tags AGB, Lizenz, Software, Lizenzmodelle, Erschöpfungsgrundsatz, EuGH,
Europa, Wettbewerb]

[category aktuell, Microsoft, SAP]

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