Donnerstag, 17. Oktober 2013

Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von SAP - wie diese für den Anwender weitere Kosten verursachen und den Anwender einschränken

Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder auch kurz AGB genannt sind
vorformulierte Vertragsbedingungen, welche vom Erbringer einer Lieferung
oder Leistung gegenüber der anderen Vertragspartei, welche diese Lieferung
oder Leistung empfängt, vorgegeben werden. Die AGB werden mit Abschluss
eines Vertrages wirksam, sofern diese dem Vertragspartner zugegangen sind
oder zugänglich gemacht wurden, dies kann beispielsweise durch einen
Aufdruck auf der Rückseite der Rechnung, durch Aushändigung oder Aushängen
der AGB oder durch den Zugang über die Internetseite erfolgen.
Im Rahmen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen sichern sich Unternehmen
gegenüber Ihren Kunden, privat wie geschäftlich, ab. So gilt häufig ein
Eigentumsvorbehalt bis zur vollständigen Zahlung bei Lieferung einer Ware.
Klauseln zur eventuellen Mängelbeseitigung sind in den meisten ABG ebenso
Standard. Ein Unternehmen kann in seinen AGB allerdings nicht alles regeln.
So gibt es auch missbräuchliche AGB-Klauseln, vor welchen der Verbraucher
entsprechend des europäischen Gemeinschaftsrechts sowie der § 305 bis 310
BGB geschützt wird. Missbräuchliche Klauseln in den Allgemeinen
Geschäftsbedingungen sind von vorneherein unwirksam. Unwirksam sind
ebenfalls Bestimmungen, welche den Vertragspartner unangemessen
benachteiligen. Ergibt sich eine Unwirksamkeit bestimmter Klauseln aufgrund
der Regelungen um Gesetz, so treten an die Stelle dieser Klauseln die
gesetzlichen Vorschriften.

Auch die SAP AG greift beim Verkauf Ihrer Software-Lizenzen auf AGB zurück.
Mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen sichert sich SAP gegenüber allen
Anwendern, ob neu gekaufte oder gebraucht erworbene Software ab und zwar
dahingehend, dass z.B. Anwender nur nach Freigabe durch die SAP AG die
Software weitergeben dürfen. Allein dadurch hat SAP immer einen genauen
Überblick, in welchen Unternehmen die SAP-Software verwendet wird und bei
welchen Unternehmen zukünftig kostenpflichtige Updates, insbesondere bei
gebraucht gekaufter Software, durchgeführt werden müssen.

Dass die SAP AG den Verkauf Ihrer Software auf sich und SAP-Partner
beschränkt, ist in der Software-Branche üblich, somit wird gleichzeitig auch
der Verkauf der eigenen Software-Lizenzen an ein fremdes Unternehmen
unterbunden. Jegliche Möglichkeit des "freien" Weiterverkaufs wird
ausgeschlossen. Doch damit nicht genug. SAP sichert sich zusätzlich mit
seinen ABG-Klauseln alle aktuellen und zukünftigen erforderlichen
Wartungsarbeiten, welche gemäß AGB allein durch die Nutzung von SAP
erforderlich sind. So wird nicht nur der Anfall von Wartungsarbeiten,
sondern auch die Durchführung dieser durch SAP in den AGB geregelt. Es wird
von vorneherein ausgeschlossen, die Wartung von anderen Unternehmen
durchführen zu lassen. Wird eine entsprechende Wartung unterlassen, so muss
diese fehlende Wartung nachbezahlt werden. Die einzige Freiheit, die SAP dem
Anwender zugesteht ist: "Alles oder nichts! Entweder Wartung vom Hersteller
oder gar keine Unterstützung (Support)."

Insbesondere große Unternehmen, welche SAP-Software nutzen, möchten die
Software weitestgehend an ihre eigenen Bedürfnisse und Prozesse anpassen.
Arbeiten in diesem Unternehmen Programmierer, welche spezifische Änderungen
durchführen könnten, so kann dies die Garantiefrage aufwerfen. Nur wer
komplett SAP Wartung bezahlt, kann diese Probleme umgehen. Dabei darf man
nicht vergessen, daß ohne eigene Weiterentwicklungen und Anpassungen die SAP
Software wahrscheinlich bei keinem Unternehmen funktionieren würde.

So ist SAP immer genau über interessante Modifikationen informiert, welche
eventuell auch für andere (potentielle) SAP-Kunden von Vorteil sein könnten.
Deshalb sichert sich SAP an allen Modifikationen die Möglichkeit das
Urheberrecht für diese zu beanspruchen. Der Anwender ist gemäß AGB
verpflichtet dieses auf Verlangen gegen eine entsprechende Vergütung an SAP
herauszugeben. SAP profitiert dadurch von zahlreichen spezifischen
Erweiterungen, die in den jeweiligen Unternehmen meist in Verbindung mit
branchenspezifischen Kenntnissen entwickelt wurden. Ohne intensiven
Entwicklungsaufwand kann SAP dadurch branchenspezifische Lösungen anbieten
und seine Software immer weiter ausbauen.

Es gibt am Markt einige Unternehmen, welche Ihre SAP-Lizenzen über
SAP-Partner weiterverkaufen wollen, weil diese eventuell selbst nicht mehr
benötigt werden, weil zum Beispiel eine bestimmte Anzahl von Anwendern durch
Outsourcing wegfällt. Der Weiterverkauf über SAP-Partner an andere
Unternehmen ist gemäß der AGB möglich. Das Unternehmen, welches die
gebrauchten Lizenzen kauft, kann hierbei im Vergleich zu einer neuen Lizenz
Geld sparen. Allerdings wird der Käufer gebrauchter SAP-Lizenzen durch die
AGB benachteiligt. So kann die gebrauchte Software nur nach Zustimmung und
Freigabe von Seiten SAP verwendet werden. Ebenso wird bei späteren Updates
für gebrauchte Software der Lizenzwert nicht angerechnet, so dass diese
Updates kostenpflichtig erfolgen. Auch gebrauchte Lizenzen erfordern
Wartungsarbeiten, allerdings gibt es bei diesen im Vergleich zu neuen
Lizenzen keine Rabatte. Hiermit möchte SAP wahrscheinlich erreichen, dass
potentielle Käufer von SAP-Lizenzen neue Lizenzen direkt bei SAP oder einem
Partner erwerben, an denen SAP einerseits mehr verdient und andererseits
natürlich somit die Anzahl der verkauften Lizenzen am Markt erhöht wird.
Damit wird es für Unternehmen, welche nicht mehr benötigte Lizenzen
verkaufen möchten, schwieriger diese „loszuwerden". Diesen Unternehmen
bleibt dann häufig nichts anderes übrig, als die Lizenz zu behalten und
weiter die Softwarepflege zu bezahlen. Für die SAP AG bedeutet dies Umsatz
ohne Gegenleistung; dies attrakive Geschäftsmodell begeistert sicher die
Aktionäre.

Zusätzliche Umsätze generiert SAP auch damit, dass bei einer Verbindung von
SAP mit anderen Programmen für jeden Nutzer, welcher dieses Programm
verwendet, eine SAP-Lizenz erworben werden muss. Ob diese anderen Nutzer
dann auch tatsächlich SAP verwenden, ist dabei nicht entscheidend,
entscheidend ist, dass sie es könnten.

Insgesamt lässt sich im Rahmen der AGB erkennen, dass mit verschiedenen
Klauseln und gleichzeitig Einschränkungen der Anwender versucht wird den
eigenen Umsatz und Gewinn zu steigern. Konkurrenz im Rahmen der notwendigen
Wartungen wird durch die AGB gar nicht erst zugelassen und gebrauchte
Software-Lizenzen können zwar über SAP-Partner günstig erworben werden, sind
aber für den Anwender im Rahmen der weiteren Nutzung häufig mit Nachteilen
gekoppelt, welche zusätzliche Kosten für den Anwender aber auch erhöhten
Profit für SAP bedeuten.


[tags AGB, Lizenz, Software, Lizenzmodelle, Erschöpfungsgrundsatz, EuGH,
Europa, Wettbewerb, Parallelimport]
[category aktuell, SAP]

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